Mittwoch, 23. August 2017
 

Wer's glaubt, wird selig.
Die Versuchung der Frömmelei - Nachdenken über das Dilemma der Unvereinbarkeit von Wille und Religion

Immer mal wieder bricht in den diversen Internetmedien, derzeit ist das allgemein favorisierte Facebook, eine Debatte über das Für und Wider von Religionen los, die sich schnell zu Debatten über Sinn und Unsinn des Glaubens an und für sich ausweiten. Eins der größeren Probleme dieser Debatten ist, dass es den meisten Diskutanten selten gelingt, zwischen Religion und Religiosität unterschieden, zumindest gelingt es nicht, diesen Unterschied in der Argumentation zu berücksichtigen.

Die Begriffe werden mehr oder minder häufig gewechselt, allerdings nicht kontextuell, sondern eher beliebig. Religiosität - ich nenne es der besseren Abgrenzung wegen Spiritualität - ist nicht identisch mit Religion. Es ist ganz klar zwischen der Religion als äußerer, institutionalisierter Form und der Religiosität respektive Spiritualität als der inneren, individuellen Haltung zum Transzendenten zu unterscheiden. Ich weiß nicht, warum man sich in der Argumentation damit so schwer tut, denn im Grunde ist das doch ganz einfach, und zwar so einfach, dass diese Frage in der Fernsehserie "The Big Bang Theorie" in einem Satz abgehandelt wurde:

Sheldon: Interesting. My mother and I have the same agreement about church.
Amy: I don't object to the concept of a deity, but I'm baffled by the notion of one that takes attendance.

"The Big Bang Theorie", 3. Staffel, Episode 23

"Ich habe nichts gegen das Konzept eines Gottesglauben, mich verwirrt nur die Notwendigkeit einer Kirche dafür." (Deutsche Synchronisation) Es gibt, allein wegen der Vielfalt derselben, keine exakte Definition des Begriffes "Religion". Aber es gibt einige deskriptive, aber dennoch eindeutige Kriterien, die Religionen eigen sind. Zu nennen wären da zentrale Kodizes, originäre Sakramente, zum Beispiel eine Eucharistie, originäre Liturgien, nicht einfach nur Priester, sondern hierarchisch geordnete Priesterämter und eine Gemeinde von Gläubigen von signifikanter Größe. Max Weber beschrieb eine Religion als dauerhaftes System mit hauptamtlichen Funktionären, die eine geregelte Lehre vertreten, einer organisierten Gemeinschaft vorstehen und gesellschaftlichen Einfluss anstreben. Einen weiteren Aspekt erkannte Niklas Luhmann mit seiner Differenzierung zwischen System und Umwelt. Ihm zufolge nutzt ein System die Möglichkeiten der Umwelt durch Ausgrenzung und Auswahl, also durch Selektionsprozesse, mit deren Hilfe die Komplexität der Umwelt ordnend eingeschränkt wird, was Vereinfachungen erforderlich macht und nach sich zieht, die der Orientierung dienen. Er schreibt: "Ein soziales System kommt zustande, wenn immer ein autopoietischer Kommunikationszusammenhang entsteht und sich durch Einschränkung der geeigneten Kommunikation gegen eine Umwelt abgrenzt." (Unter Autopoiesis wird der Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems verstanden. Luhmann: Ökologische Kommunikation) Luhmann kommt zu dem Schluss, dass der Religion als System eine solcherart orientierende Funktion zukommt.

Essays zu Thema Wille Mentopia.net

Damit ist nichts über Transzendenz und Spiritualität gesagt, schon gar nichts Einschränkendes oder Begrenzendes, aber alles über Religion. Wenn man Thelema als Religion begreift, tut man nichts anderes, als eine neues, determinierendes System an die Stelle eines anderen zu setzen und anstatt sich Kraft seines Willens von Determinanten zu befreien, setzt man neue und schafft so neue Abhängigkeiten, nämlich die von den Göttern und als "heilig" angenommenen Symbolen, Schriften und Artefakten einerseits und von Verbindlichkeiten im Rahmen der gemeinschaftlichen Hierarchie andererseits, die schließlich in Kausalitäten zusammenlaufen, die ihrerseits den Willen binden. Religion determiniert und zwingt den an die Religion gebundenen - ob er es will oder nicht, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht - in Abhängigkeit von seinem Glauben. Man kann das in eigentlich allen Orden und Logen an augenfälligen Beispielen beobachten, zum Beispiel dann, wenn Mitglieder wider jede Vernunft trotz unhaltbarer Zustände an ihrer Logen- beziehungsweise Ordensmitgliedschaft festhalten, wofür es dann die erstaunlichsten Erklärungen zu hören gibt - alles gute "Gründe" mit vielen Weils, dogs of Reason (Liber L. vel Legis, II/27). Noch besser kann man das Phänomen an jenen beobachten, die aus mehr, meistens aber weniger eigenem Entschluss draußen sind - die sogenannten "Aussteiger". Jenseits aller historischen Erwägungen in Sachen Religion ist also für mich der erste wichtige Grund, warum Thelema keine Religion sein kann, der manifeste und unauflösliche Widerspruch zwischen dem Willen und den der Religionsstruktur per se immanenten Kausalitäten, sprich Zwängen.

The greatest tragedy in mankind's entire history may be the hijacking of morality by religion.
Sir Arthur C. Clarke in Credo, 1991

Der zweite liegt in der Natur der Sache selbst. Ich bin der Überzeugung, dass die Götter des Liber Legis dies ausschließlich in literarisch-deskriptiver Funktion sind - composite deities, wie das englische Wikipedia sie nennt. Dahinter stehen Archetypen und es ist Crowley - in Anbetracht der Tatsache, dass er weder den psychologischen Begriff noch das ausgearbeitete Modell der Archetypen zur Verfügung hatte - unglaublich gut gelungen, die Archetypen in ihrem Wesen zu erfassen (wobei er den Alten Weisen und das Selbst in Hadit zusammenfasste, weswegen es nur drei "Gottheiten" sind statt vier). Nach meiner Sicht der Dinge ist der Punkt der: Keiner, der bei Vernunft ist, ruft oder betet Archetypen an. Die Psyche sperrt sich gegen die Anrufung und/oder Anbetung der - wie auch immer imaginierten - Archetypen dadurch, indem sie die Anrufung beziehungsweise Anbetung gewissermaßen umlenkt und in die Konditionierungen kanalisiert. Praktisch sieht das so aus, dass im Rahmen der organisierten Religionsgruppen, die sich thelemitisch definieren, folgender Weg gegangen wird: Man baut sich - in aller Regel unbewusst und oft aus Konditionierungen heraus - aus den Göttern des Liber Legis eine Trinität, übernimmt strukturell und inhaltlich nur minimal modifizierte Sakramente wie Taufen, Konfirmationen und Hochzeiten, man bastelt sich Altäre, kleidet sich in selbst genähte Gewänder, die sich eigentlich nur in der Qualität der Anfertigung von den Gewändern der Brüder und Schwestern in Christo unterscheiden - und leitet im Ergebnis die Energie der Gruppe, sofern es überhaupt gelingt, sie zu aktivieren und freizusetzen, dem energetischen respektive morphischen Pool des abrahamitischen Gottes zu. Nun könnte man einwenden, dass werde deshalb nicht getan, weil da ja unter anderem deklamiert wird "Und ich glaube an eine Erde, die Mutter von uns allen, und an einen Schoß, in dem alle Menschen gezeugt werden und dem sie ruhen sollen, Mysterium des Mysteriums, in Ihrem Namen Babalon. Und ich glaube an die Schlange und den Löwen, Mysterium des Mysteriums, in Seinem Namen Baphomet." Glaubt wirklich und allen Ernstes jemand, dass eine Entität von der behaupteten Allmächtigkeit und Universalität eines Gottes irgendwie beleidigt wäre, nur weil da zehn Hanseln Babalon und Baphomet statt ihres Anrufungsnamens krähen? Glaubt wirklich irgendeiner der Teilnehmer, dass eine solche Entität es auch nur im mindesten interessierte, wenn ihre Anbeter ihr putziges Treiben für "thelemisch" halten und sich dabei nicht entblöden, pausenlos Kreuze zu schlagen, Hostien zu fressen und ein herzhaftes "Der HERR segne euch." zu schmettern, wobei man nicht einmal auf die in der Christenheit übliche Schreibung in Versalien verzichten möchte?

Zur Verdeutlichung dessen, was ich meine, mag man sich das zum Beispiel hier ansehen:
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151619968801036&set=pb.67826841035.-2207520000.1381493803.&type=3&theater
oder hier:
http://www.facebook.com/media/set/?set=a.301333399926580.71010.118803918179530&type=3

Da steht allen Ernstes der Thelemit vor einem, zum Taufbecken umgewidmeten, Blumenkübel und lässt sich gebeugten Hauptes Wasser über die Rübe schütten. Wenn man diesen "Baptism" überstanden hat, kann man noch eine "Confirmation" über sich ergehen lassen: "Within this rite, the individual confirms that it is their True Will to join the church." (Sword and Serpent Oasis, Dayton Ohio)

Um Missverständnissen vorzubeugen - ich habe nichts dagegen, dass die da tun, was sie tun. Kann man alles machen, sollen sie machen, kein Problem. Aber ist das Thelema? Hat das, jenseits der gemeinschaftlich heruntergebeteten Lippenbekenntnisse, irgendetwas mit dem Willen zu tun? Sieht so Spiritualität im Neuen Äon aus?

Wenn man Thelema als spirituellen Entwicklungsweg begreift, als Potential transzendenter Möglichkeiten ohne den (mitunter im Wortsinn) betonierten Mummenschanz christoider Religionsversatzstücke, dann liest und versteht man das Liber Legis als Offenbarungschrift, in der sich eine transzendente Realität enthüllt, die uns mittels der Archetypen, die in der literarischen Gestalt fiktiver Gottheiten mit konkreten Bezügen zur ägyptischen Mythologie (eben als composite deities) auftreten, die Perspektive auf den Willen eröffnet, und zwar auf einer Ebene jenseits der Instinkte, Affekte und Emotionen, jenseits trainierten und konditionierten Verhaltens. Zugleich wird der Rahmen gesteckt, in welchem der Wille agiert ohne zur Asozialität zu verkommen, und zwar in hauptsächlich in den Versen I/3, I/40 und I/57, aber (für mich) zum Beispiel auch in II/09, II/58-60, III/04-05, III/04-05, III/58-60.

Man sollte sich dabei im Klaren sein, dass der Versuch, die Schrift mit dem bloßen Verstand zu erschließen, nicht wirklich erfolgreich sein wird, dazu bedarf es mehr (siehe unten Verstand vs. Vernunft). Wenn das gelingt, erschließt sich einem nicht die Offenbarung, sondern ein energetisches Potential und mit dem kann man spirituell und okkult arbeiten, wozu etliche andere Schriften Crowleys ein Übriges beitragen. Ich halte nicht nur das Lesen, sondern das Studium des Liber 777, Liber Aleph und des Liber CDXVIII für unabdingbar, begleitend sollte man sich mit dem Thoth-Tarot inkl. Studium des Buches Thoth befassen. Wenn man das geschafft und sich dazu noch mit der Körperenergie (Meditation, Chakren) und der Theorie der morphischen Felder (Sheldrake) befasst hat, sollte man in der Lage sein, spirituell auf energetischer Ebene zu arbeiten. Man kann im fakultativen Teil auch andere Wege gehen, aber wenn das Ganze Thelema heißen und es um den Willen gehen soll, sind die genannten Werke Crowleys essentiell. Es ist dann auch kein Problem, wirkungs- und meinetwegen auch stimmungsvolle Rituale zu kreieren, die man allein oder in kleinen Gruppen praktizieren kann und die ganz fantastisch ohne den augustinischen Budenzauber auskommen. Richtig gut ist man dann, wenn man irgendwann mit dem auskommt, was Olaf in der Thelemic Discussion Group kurz und bündig so beschrieben hat: "The real magickian needs an empty hand and a silent mind." Die Antwort war übrigens wie nicht anders zu erwarten: "If Crowley put it on the syllabus, it's needed and essential."

Es ist ein erheblicher Unterschied, ob ich im Glauben an irgendwelche Götter oder im Wissen um kollektive Archetypen, die sich in dir widerspiegeln (die Psyche hat keine "eigenen" Archetypen), agiere. Ersteres determiniert und zwingt, wie oben beschrieben, in eine Abhängigkeit vom Glauben. Letztere kann man, wenn sie hinderlich sind, regelrecht abschalten beziehungsweise deren konditionierenden Einfluss dekonditionieren. Magick ist auch nicht einfacher mit externen Gottheiten, denn falls es sie nicht geben sollte, spricht man eh mit sich selbst, auf jeden Fall nimmt man einen völlig unnötigen Umweg über ein, wie auch immer geartetes, Glaubenskonstrukt.

Crowley wählte als Motto für den Equinox und für seine Arbeit die Worte "The Method of Science, the Aim of Religion" - in dieser Reihenfolge. Damit forderte er zugleich den Maßstab wissenschaftlicher Kriterien für die okkulte Arbeit ein. Das war 1909 geradezu revolutionär, aber seitdem gab es ein kaum überschaubare Zahl wissenschaftlicher Erkenntnisse, die natürlich auch für die Magick relevant sind und es stellt sich die Frage, inwieweit der zweite Teil des Mottos, the Aim of Religion, damit an Relevanz verloren hat. Ich bin der Ansicht, dass er das ganz erheblich getan hat, und zwar bis zur Bedeutungslosigkeit. Wichtig bleibt aber ungeachtet meiner Einwände das: Crowley hat eine Aufforderung zum Handeln, einen Entwicklungsweg formuliert. Method of science - lerne die Methoden der Wissenschaft und bediene dich ihrer, und zwar bevor Aim of Religion folgt. Aim heißt Ziel und noch lange nicht, dass da eine Religion beziehungsweise Religiosität ist.

Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, was aus der Vielfalt dessen, was uns Crowley hinterlassen hat, notwendig ist, und zwar not-wendig im Sinne des Wortes - zum Abwenden einer Not. Die Not-Wendigkeit ist nämlich im Gegensatz zum Brauchen quantifizierbar und in diesem Sinne ist die Ethik notwendig - und mit ihr das Liber Legis als Fundament derselben - nämlich zum Abwenden der Not, die sich aus dem üblicherweise von Hinz und Kunz und Tinnef und Tand determinierten Alltagsleben ergibt. Die thelemitische Willensethik ermöglicht es, Kraft des Willens in Symbiose mit der Vernunft zu entscheiden, was von all dem Dreck man sich antun will und vor allem, was man sich nicht antun will. Der voluntaristische Willen kann das nicht und die Hunde der Vernunft bellen, ob es einem gefällt oder nicht, letztendlich doch nur das Gekläffe der Konditionierungen. Beide treffen zwar auch Entscheidungen, aber nur solche, die einen in der oben genannten Not belassen und die den Staus der Determiniertheit aufrecht erhalten. Denn auf dem basiert schlussendlich das System, in dem wir leben und die Konditionierungen, die Erziehung, das trainierte Sozialverhalten, die vermeintlichen Bedürfnisse und tatsächlichen Begierden sind auf dieses System abgestimmt.

Die beliebtesten Einwände auf meine Argumentation in Sachen Glauben sind seit Jahren dieselben, nämlich dass einerseits der Glaube an und für sich und damit auch die Vorstellungen von Thelema etwas sehr Persönliches sei, was dann dazu führt, dass an irgendeinem Punkt der Debatte diese Diskutanten in "ihrem" Thelema Zuflucht suchen und sich darin verschanzen. Andererseits wird - gleichwohl sie selbst in Anspruch genommen wird - darauf bestanden, dass es keine Deutungshoheit in Sachen Thelema gäbe. Dass Thelema schon etwas sehr Persönliches ist, das jeder individuell zu klären hat, muss mir keiner erzählen, denn ich verweise seit Jahr und Tag auf die Tatsache, dass Thelema eine Individualethik ist, wobei die Betonung auf Ethik liegt. Alle etwaigen religiösen Aspekte sind optional und fakultativ. Dasselbe gilt für die Magick, man muss sich ihr nicht widmen, um Thelemit zu sein. Den allermeisten Leuten würde ich sogar dringend abraten, das zu tun, u.a. deshalb, weil sie wesentliche Vorarbeiten - vermutlich weil sie eben mit Arbeit verbunden sind - nicht tun, ich erwähnte oben als Beispiele zum Beispiel Meditation und Chakrenarbeit, es sind aber noch mehr. Natürlich gibt es keine Deutungshoheit, aber es gibt eine Interpretationskompetenz und die messe ich mir sehr wohl zu und mit dieser Kompetenz betone ich - siehe oben - auch stets die inhaltliche Vielfalt und die mannigfaltigen Potentiale Thelemas. Die Frage ist jedoch nicht, was wir brauchen, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich brauche zum Beispiel weder ägyptische Schnörkel noch einen Altar mit umgewidmeter Gardine und selbst gebastelter Stele, nett umrahmt von Kerzen. Letzterer hat zwar zugegebenermaßen den Vorteil, dass man die Stele nur durch den Lattensepp ersetzen muss, wenn die bajuwarische Erbtante zu Besuch kommt und Tantchen kann sich stante pede der Vielfalt christlicher Frömmigkeit hingeben. Ich für meinen Teil jedoch finde solch, nun ja, extrovertierte Glaubensbekundungen reichlich albern. Tatsache ist aber auch, dass Thelema als Ethik in Verbindung mit einem enormen spirituellen Potential in der Tat helfen könnte, diesen ganzen Komplex verquast-christoider Religionsschwurbelei in vernünftige Bahnen zu lenken - wenn diejenigen, die sich als Thelemiten verstehen, endlich die Kraft, den Mut und den Willen aufbrächten, sich von den schwarzen Ritualen der alten Zeit zu trennen, und zwar konsequent.

Ebenfalls seit Jahren wünschte ich mir etwas mehr Reflektion über die obigen Aspekte, stattdessen gibt es stets aufs Neue den bis zum Überdruss bekannten Cut & Paste aus Wikipedia. Ich bin es mittlerweile echt leid, dass buchstäblich jedes Mal, sobald etwas kritischer von Religion die Rede ist, einer daherkommt und einmal mehr den groben Unfug postuliert, der Begriff Religion stamme vom lat. religio, "wörtlich: ‚die Rückbindung‘" (de.Wikipedia), weil abgeleitet von religare, ab - natürlich mal wieder ohne die absolut notwendige Einschränkung "Rückbindung (nach christlicher Lehre)" und natürlich gefolgt von einigen der sonstigen Binsenweisheiten, die das deutsche Wikipedia zum Begriff Religion zu bieten hat.

Irgendjemand muss das mal explizit als das benennen, was es ist, nämlich Unsinn, also tue ich das jetzt. Zu keiner Zeit bedeutete religio "Rückbindung", in keinem meiner lateinischen Wörterbücher von Langenscheidt bis Stowasser findet sich diese Übersetzung, sondern da kann man unter religare zurück-, auf-, emporbinden (zu einem Knoten), anbinden, festbinden lesen. Zurückbinden zu einem Knoten, wie man sich die Haare oder ein Kopftuch zurückbindet - oder wie einem Sklaven die Hände hinter dem Rücken verknotet = zurückgebunden wurden. Wer's nicht glaubt - religare und religio:
http://de.pons.eu/dict/search/results/?q=religare&l=dela&in=&lf=la
http://de.pons.eu/dict/search/results/?q=religio&l=dela&in=&lf=la

Also lasst euch meinetwegen von "eurer" Religion an-, fest oder zurückbinden, aber behauptet bitte nicht, das hätte etwas mit dem Willen zu tun. An dieser Stelle kommt noch ein anderer Aspekt dazu. Der Begriff von Religion als "Rückbindung" wurde erstmals von Lactantius aus religare "interpretiert", und zwar folgendermaßen: "Hier ist Plato vom Wege abgeirrt, hier hat er die Wahrheit, die er anfänglich ergriffen hatte, aus der Hand gelassen, indem er über die Verehrung dieses Gottes, den er als Gründer und Vater des Alls bekannte, schweigsam geworden ist, indem er nicht erkannt hat, daß der Mensch an Gott durch die Bande der kindlichen Liebe gebunden (religatus) ist, woher die Religion selbst (religio) den Namen hat, und daß dies allein der Grund ist, warum die Seelen unsterblich werden." (Lactantius: Epitome divinarum institutionum, Kapitel 28) Exakt das ist die Stelle, an der dieser Unfug mit der "Rückbindung" begann und es sollte unschwer zu erkennen sein, dass dies eine der "kirchenväterlichen" Spitzfindigkeiten ist, die heute so generös als theologische "Intepretation" daherkommen. Es ist ein Dogma in der Bedeutung einer zum Lehrsatz gewordenen Meinung, und nichts sonst. Warum der Mann das tat, hat er auch gesagt: "Ich habe nämlich beschlossen, alles, was zum ewigen Leben gehört, so viel wie möglich schriftlich niederzulegen, und zwar gegen die Philosophen, die eine ernste Gefahr für die Reinerhaltung der Wahrheit bedeuten." (Lactantius: De opificio Dei, XX. Hauptstück, § 2)

Dessen nicht genug - so richtig in Umlauf gebracht beziehungsweise in den kirchlichen Sprachgebrauch eingebracht wurde diese Interpretation im Jahr 390 von Augustinus: "Um ihn zu schauen, wie er eben geschaut werden kann, und mit ihm verbunden zu sein, reinigen wir uns von aller Makel der Sünden und der bösen Begierden und heiligen wir uns in seinem Namen. Denn er ist der Quell unserer Glückseligkeit, er das Ziel alles Strebens. Indem wir uns für ihn entscheiden oder vielmehr neuerdings entscheiden [denn durch Gleichgültigkeit hatten wir uns von ihm geschieden] — indem wir uns also für ihn neuerdings entscheiden, wovon ja auch das Wort Religion sich herleiten soll, streben wir zu ihm hin durch Liebe, um durch die Erreichung des Zieles zur Ruhe zu gelangen, glückselig deshalb, weil wir durch dieses Ziel die Vollendung gewinnen. Denn unser Zielgut, über dessen Wesen sich die Philosophen so lebhaft streiten, ist kein anderes, als mit dem verbunden zu sein, der allein durch seine unkörperliche Umarmung, wenn man so sagen kann, die erkennende Seele mit wahren Tugenden begabt und befruchtet." (Augustinus: De civitate Dei, Buch 10 Kapitel 3) Oder auch so: "Unsere Religion verbindet uns also so mit dem einzigen allmächtigen Gott, dass innerhalb unseres Geistes kein Geschöpf hinderlich zwischen ihn und uns treten kann, da wir ja durch den Geist den Vater und die Wahrheit erkennen, jenes innere Licht durch das wir den Vater wahrnehmen. Deshalb beten wir auch in der Tat die Wahrheit in Person an, die dem Vater in keinerlei Hinsicht unähnlich, ja mit ihm verbunden ist." (Augustinus: De vera religione, LV 113)

Daraus ergibt sich die durchaus komische Situation, dass die selbsternannten Verteidiger des "wahren" Willens gegen die dogmatischen Zumutungen christlich-moralischer Indoktrination zur Beschreibung ihrer religiös gestimmten Gemütszustände ausgerechnet auf ein zentrales Dogma der Kirchenväter referenzieren, das letztlich nur dazu diente und dient, die Tatsache, dass die Schafe nach dem Willen der Priesterschaft an ihren Christengott gefesselt sind, mit rhetorischen Taschenspielertricks zu verbrämen. Wir sprechen hier nämlich von eben jenem Augustinus, in dem ein Diskutant - ein erklärter Thelemit - in einer der jüngeren Debatten erst zielsicher den Erfinder der "verstandesfeindlichen, augustinischen Weltlüge, aus der auch der Faschismus entstand", ausgemacht hatte, bevor er zwei, drei Postings später seine Religiosität mit dessen kirchenväterlichen "Weisheiten" zu erklären versuchte. Einen solchen Spagat muss man erst einmal hinbekommen.

Apropos Verstand - ein echtes Problem der Debatten ist die Unschärfe der Begriffe, die aus ihrer oftmals beliebigen Verwendung resultiert. Mir aber ging und geht es bei dem Konzept der Willensethik in erster Linie darum, nicht nur die Begrifflichkeit, sondern die gesamte Argumentation zur Sache vom bloßen Gerede zu befreien und dem Problem auf den Grund zu gehen. ("Das Gerede ist kein Erschließen, sondern ein Verschließen des In-der-Welt-seins und beeinträchtigt die Auseinandersetzung mit dem Verstehenen, obwohl es unbedingt deren Ausgangspunkt ist." Martin Heidegger: Sein und Zeit).

Doch immer wieder werden eine Reihe von Begriffen in die Argumentation eingeführt, die eigentlich nicht diskutabel, weil nicht argumentierbar sind. Das sind nicht definierte, unscharfe Begriffe, unter denen jeder etwas mehr oder oder weniger anderes versteht, zum Beispiel Genius, Geist, Seele, Lebensenergie - und das "höhere" Ich, wobei dann gerne auf die Psychologie referenziert wird, weil sich auf diesem Feld ja praktisch jeder auskennt, der schon einmal in einer Küche stand. Grundätzlich - die Psychologie kennt keinen Begriff vom "höheren" Ich, das zweite topische System, das Freud 1923 in "Das Ich und das Es" darstellte, definiert mit Es, Ich und Über-Ich drei Instanzen, die gleichwertig und -berechtigt sind. Ich und Über-Ich sind nicht Teil des Geistes, was immer das auch sein mag, sondern der Psyche - ebenso das Es, das nicht Teil der Seele, was immer das auch sein mag, sondern ebenfalls Teil der Psyche ist. Es steht auch nicht im Gegensatz zu irgendeinem anderen Teil, sondern alle drei sind gleichwertig und (über)lebensnotwendig. Konditionierungen lassen sich in diesem System nicht verorten, weil man damals noch nichts vom Funktionieren des mesolimbischen Systems wusste, das wesentlich emotionale Lernprozesse und operante Konditionierungen steuert. Was ich vermutlich nie verstehen werde, ist das Bedürfnis nach externen (Götter, Geister usw.) und internen Hierarchien. Insbesondere letzteres ist mir ein echtes Rätsel - wozu braucht irgendjemand einen "höheren", einen "reinen" Teil, eine "höchste" Form seiner selbst? Warum in der Materie "eintauchen", was eine niedere Ebene impliziert, warum die Trennung von "Geist" und Physis? Also wenn etwas altäonisch ist, dann ist dieses Denken in vermeintlich "naturgegebenen" Hierarchien, das sich dann in den Logen und Orden in Grad- und Titelgeklingel widerspiegelt. Heute bedarf es weiter entwickelter Sichtweisen, eine davon ist das Modell der Holarchie nach Arthur Koestler, das er in "Der Mensch - Irrläufer der Evolution" entwarf und das von Ken Wilber zur Integralen Theorie weiterentwickelt wurde ("Eros, Kosmos, Logos" und "Das Wahre, Schöne, Gute", in letzterem entwirft er eine interessante Sicht in Sachen Gottmodell).

Das inhaltlich gesehen wichtigste Beispiel für die begriffliche Beliebigkeit ist die Verwechslung, Gleichsetzung oder was auch immer von Verstand und Vernunft. Im Alltag mag das zum Erörtern reinen Dafürhaltens respektive zum Ventilieren von Befindlichkeiten durchgehen und dort werden die Begriffe in der Tat meistens gleichgesetzt. Doch hier geht es nicht um bloße Begrifflichkeit, sondern um fundamentale, inhaltliche Sachverhalte, die hinter den Begriffen stehen. Seit Aristoteles unterscheidet die Philosophie zwischen Verstand als passivem und Vernunft als aktivem Vermögen, bis zu Kant aber eher vage. Der verwarf die Kriterien aktiv und passiv als ungeeignet und beschrieb in seinen Hauptwerken "Kritik der reinen Vernunft", "Kritik der praktischen Vernunft" und "Kritik der Urteilskraft" die bis heute als gültig anerkannte, konkrete Gegenüberstellung von Vernunft und Verstand, derzufolge der Verstand quasi nur als eine Seite der Vernunft darstellt. "Im engeren Sinne wird Vernunft vom Verstande [...] unterschieden als höhere Geistesfähigkeit. In diesem Sinne ist Vernunft die Einheit und Kraft alles besonnenen, zielbewußten Denkens, die auf Zusammenhang und abschließende Einheit des Wissens und Handelns [...] abzielende (auf das »Unbedingte« gehende) Geistestätigkeit [...]. Sie verarbeitet das durch den Verstand, durch die den Erfahrungsinhalt urteilend gestaltende Geistesrichtung Gewonnene zu innerlich verbundenen, geschlossenen, »vernünftigen« (nach Grund und Folge, Mittel und Zweck geordneten) Zusammenhängen (von Gedanken, Handlungen). Sie ist die Quelle theoretischer (metaphysischer, religiöser) und praktischer (ethischer, juridischer) Ideen. […] Nach Kant wird die Vernunft vielfach als das Erkenntnisorgan für das Unendliche, Absolute, Übersinnliche angesehen." (Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe) Im Original klingt das dann zum Beispiel so: "Alle unsere Erkenntnis hebt von den Sinnen an, geht von da zum Verstande und endigt bei der Vernunft, über welche nichts Höheres in uns angetroffen wird, den Stoff der Anschauung zu bearbeiten und unter die höchste Einheit des Denkens zu bringen" (Kant, Kritik der reinen Vernunft).

Eigentlich sollte all den Freunden der Gnostik das geläufig sein, denn schon den Gnostikern war die Vernunft im Unterschied zum Verstand ein Mittel zur Erkenntnis des Übersinnlichen, wenn wir Tertullian vertrauen dürfen. (De anima, Kapitel 18: http://www.unifr.ch/bkv/kapitel1909-17.htm , Adversus Hermogenes, ebenfalls Kapitel 18: http://www.unifr.ch/bkv/kapitel1900-17.htm) Doch der Punkt ist der: Mit der Erhebung des Willens aus der biologistischen Ebene auf die kognitive Ebene der Vernunft bei gleichzeitiger Trennung des Willens von der Vernunft (als deren Teil Kant ihn gesehen hat) einerseits und mit der Befreiung des Willens aus der Ebene freifliegenden Schwurbelns (wahrer, freier oder sonstwie attributierter Wille) habe ich ganz bewusst und mit voller Absicht dem spirituellen Potential Thelemas Rechnung getragen, denn wie ich gezeigt habe (und wie der Gnostiker natürlich weiß), ist die Vernunft die Ebene für die transzendenten und spirituellen Belange. Mit dem Verstand hätte das Konzept einer Willensethik nicht funktioniert, eben weil der Anschluss an die spirituelle Ebene gefehlt hätte.

Um dem Einwand, falls denn tatsächlich jemand darauf kommen sollte, vorzubeugen - mir ist bewusst, dass man an dieser Stelle trefflich Liber Legis II/27 ventilieren könnte. (Nein, hat er nicht, Meister Therion hat das Diskutieren untersagt, nicht das Ventilieren. :-)) Mir ist auch bewusst, dass die Debatte Verstand vs. Vernunft so preußisch-deutsch wie Königsberger Klopse ist, Immanuel Kant halt, und dass im angelsächsischen Sprachraum da intuitiv und nicht definitiv unterschieden wird. Doch wenn's der Wahrheitsfindung dient, soll es mir recht sein. :-)

Von Diskutanten, die des fortgeschrittenen Lesens mächtig sind, wird gerne der Einwand erhoben, das Konzept einer thelemitischen Ethik sei letztlich nur eine weitere Variante des Voluntarismus, wobei dieses Missverständnis wahrscheinlich auf der Verwechslung beziehungsweise Gleichsetzung von Verstand und Vernunft beruht. Zumindest lässt dies der Einwand eines Diskutanten vermuten, der folgendermaßen lautete, und zwar zuerst zur Argumentationskette: "Voluntarismus ist als jede philosophische Richtung zu verstehen, die den Willen als Primat voraussetzt. Witzigerweise steht in meinem Fremdwörterbuch hinter Voluntarismus als Synonym "Thelemismus". Dass eine wie auch immer geartete thelemische Ethik etc. nicht voluntaristisch sein kann, da der Voluntarismus sich gegen die Vernunft wende, halte ich für eine gewagte Argumentationskette." Das wäre in der Tat eine gewagte Argumentationskette - wenn ich sie denn formuliert hätte. Das habe ich aber nicht, denn ich schrieb vom Verstand und der ist, wie oben dargestellt, eben nicht mit der Vernunft identisch. Er ist sozusagen eines der Instrumente der Vernunft, mehr nicht. Es gibt zwei voluntaristische Strömungen, die eine wird alogistisch genannt, sie fasst den Wille als unbewusstes, blindes Tun auf, die andere wird logistisch genannt, sie versteht den Willen als einheitlicher Synthese aus Vorstellung, Gefühl und Streben. Alle voluntaristischen Strömungen haben gemeinsam, dass der Wille als die Grundkraft der "Seele" - was immer das sein mag - definiert wird. Alle haben gemeinsam, dass der Wille als das Primäre und Substantielle definiert wird, weil er sich den Voluntaristen als "blinder Wille zum Leben" (Schopenhauer) manifestiert. Schopenhauer, der Voluntarist überhaupt, schreibt "Diesem zufolge kann man sagen: der Intellekt ist das sekundäre Phänomen, der Organismus das primäre, nämlich die unmittelbare Erscheinung des Willens; - der Wille ist metaphysisch, der Intellekt physisch." (Die Welt als Wille und Vorstellung, S. definiert im ersten Kapitel Intellekt als Verstand)

Ich habe - und das ist ein qualitativer Unterschied - den Willen aus dieser verquast metaphysischen, im Grunde aber biologistischen Ebene auf das Niveau der Vernunft gehoben (also nicht des Verstandes, sondern "höher"). Allen Strömungen gemeinsam ist, dass Wille und Trieb mehr (Schopenhauer) oder weniger (Fichte, Jacobi) gleichgesetzt werden. Heute wissen wir etwas mehr über die Gehirnchemie als Crowley und die Philosophen von vorgestern. Deshalb habe ich den Willen von Instinkten, Trieben und Affekten getrennt, man kann es auch Befreiung nennen, und auf die Wirkebene der Vernunft gehoben. Bei Schopenhauer klingt das noch so: "Als Bestätigung hievon ist bereits angeführt, daß jede Einwirkung auf meinen Leib sofort und unmittelbar auch meinen Willen afficirt und in dieser Hinsicht Schmerz oder Wollust, im niedrigeren Grade angenehme oder unangenehme Empfindung heißt, und auch, daß umgekehrt jede heftige Bewegung des Willens, also Affekt und Leidenschaft, den Leib erschüttert und den Lauf seiner Funktionen stört." (Die Welt als Wille und Vorstellung) Ich hoffe, ich muss nicht näher erläutern, wie weit entfernt das von meiner Darstellung ist.

Es sei in diesem Zusammenhang auf Folgendes hingewiesen. Kirchner/Michaelis stellen zum Begriff Voluntarismus fest: "Der Ausdruck Voluntarismus ist übrigens nicht gerade glücklich gewählt, da voluntas (lat.) mehr Neigung und Wunsch als charaktervolles Wollen bezeichnet. Es sind darum auch andere Bezeichnungen für denselben Begriff, wie Ethelismus, Thelismus, Theletismus, Thelematismus usw. vorgeschlagen." (Kirchner/Michaelis: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe) Wo sie recht haben, haben sie recht, aber weil mir nachgestellte Ismen genauso suspekt sind, wie vorangestellte Antis, bleibe ich bei Thelema.

Die thelemitische Ethik, wie ich sie darstelle, ist also definitiv kein Voluntarismus, denn der definiert den Vorrang des Willens über den Verstand, wenn nicht gar gegen den Verstand (vgl. Tönnies). Ich definiere mit den Kriterien der Kontingenz nach Duns Scotus und Hannah Arent eine Symbiose von Wille und nicht nur Verstand, sondern Vernunft. Ich hole den Willen aus den "Niederungen" des Nucleus accumbens, wo er meist verortet wird, und gebe ihm den Platz, der ihm gebührt - gleichrangig und -wertig zur Vernunft. Ich überhebe ihn aber auch nicht ins Ungefähre, Spekulative oder in die Sphäre reinen Dafürhaltens. Oder volkstümlich formuliert: Wille ist nicht alles, aber ohne Wille ist alles nichts.

Kurios sind in diesem Zusammenhang zwei Dinge. Erstens ist es so, dass gerade unsere nordamerikanischen Freunde in Sachen Thelema den Willen voluntaristisch verstehen (vermutlich ohne sich dessen bewusst zu sein) und mit teils fundamentalistisch libertären, libertarianistischen oder gar anarchokapitalistischen Elementen verbinden. Man versuche, denen mal was von Voluntarismus im obigen Sinne zu erzählen. Zweitens sollte man sich im Kontext dieser Erörterung bewusst sein, dass Voluntarismus neben dem Revisionismus (dem politischen, nicht dem Geschichtsrevisionismus) der beliebteste Vorwurf kommunistischer Dogmatiker gegen ihre Kritiker aus den eigenen Reihen war. Den Kommunisten war der Voluntarismus das, was der römischen Kirche die Häresie war (und ist). Schon Marx begann damit, Rosa Luxemburg bezichtigte ihre polnischen Genossen des Voluntarismus und den Funktionäre in der Sowjetzone war der Dutschke ein Voluntarist. Lustig, nicht wahr?

[geschrieben 12/2012]