Mittwoch, 13. Dezember 2017
 

Richard Stallman

Stallman äußerte sich zu Jobs' Ableben und sorgte prompt für jede Menge Wirbel. So schreibt readwriteweb.com dazu: "It's time for free software to find a new voice. Once again, Free Software Foundation founder Richard Stallman is putting his feet firmly in his mouth. This time, Stallman says that he's glad Steve Jobs is gone."

Na ja, ganz so einfach ist das dann doch nicht. Stallman steht sozusagen auf der anderen Seite derselben Front, an der ihm nach seiner Sicht der Dinge Jobs gegenüberstand und Ellison, Ballmer und Zuckerberg weiterhin gegenüberstehen, um nur die bekanntesten Protagonisten zu nennen. Stallman ist das, was man in der Branche einen Pionier nennt, das hat er mit Jobs gemeinsam. Nur ging der mit seinen Talenten in eine ganz andere Richtung und daher rührt vermutlich Stallmans Haltung. Stallman war in der 70ern in den AI Labs des MIT mit einer Gruppe von Entwicklern, die sich selbst Hacker nannten.

Das, was sich heute Hacker nennt resp. was man heute darunter versteht, hat aber absolut nichts mit dieser Truppe gemeinsam. Stallman hat sich mit der Gründung von GNU und der Free Software Foundation durchaus Verdienste erworben, so gesehen passt Blödmann nicht ganz auf ihn.

Was seine Aussage angeht - hier der Link zum Original:

Das klingt dann doch etwas anders, als hierzulande in den Medien unter konsequenter Vermeidung der Quellenangabe wiedergegeben wurde und über Stallmans Meinung "the pioneer of the computer as a jail made cool, designed to sever fools from their freedom" lässt sich trefflich streiten. Erst jüngst, also kurz vor den Herbstferien, hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, einem Mac-User bei der Bedienung seiner Kiste helfen zu müssen. (Na ja, nicht wirklich "müssen", ich tue mich im Job nur oft zu schwer, einfach mal nein zu sagen.) Irgendjemand muss Lehrern irgendwann während des Studiums erzählen, dass nur Apple Lehrern angemessene Rechner baut. Na jedenfalls habe ich, während ich mich mit der Kiste herumquälte, dem Lehrer etwas ähnliches gesagt - nämlich dass ein Mac kein Computer, sondern ein Algorithmengefängnis und für den Nutzer eine elektronische Fußfessel sei, eine ziemlich teure überdies.

Stallmans Posting mag in der Form polemisch und im Ton geschmacklos sein, der inhaltliche Kern ist aber durchaus diskutabel und nicht so einfach von der Hand zu weisen. Freilich ist der Mann in den letzten Jahren zum Eiferer geworden und ziemlich ideologisch in einer Sache, die man eigentlich pragmatisch sehen sollte.

Stallman ist einer der Idealisten, die in ihrem de facto lebenslangen Kampf gegen ihre tatsächlichen und mitunter auch nur vermeintlichen Widersacher, die oft einst zu Beginn des Kampfes Freunde oder Verbündete waren, zu Ideologen wurden. Der Beginn der Computerära in diesen Labs wie z.B. den AI Labs und den Garagen war ja auch eine sehr politische Angelegenheit, für Leute wie Stallman war das die Verheißung auf Freiheit, ideelle Autonomie und eine bessere Zukunft, was immer das auch heißen mag. Mit diesen Idealen, die er heute noch vertritt, hat auch Steve Wozniak mit Jobs in der Garage begonnen. Wozniaks Haltung zu Jobs ähnelt der von Stallman in vielen Aspekten, nur ist Wozniak loyaler und eben auch kein Ideologe geworden, ebenso wenig wie Atkinson, der führende Macintosh-Programmierer. Doch ich denke, der ist heute nicht ohne Grund "Naturfotograf". Die resignative Abwendung ist neben der Ideologisierung die zweite Möglichkeit, die der gescheiterte Idealist hat.