Mittwoch, 23. August 2017
 

Jan III. Sobieski - ein großer Europäer

Da mit dem Tod von Helmut Kohl auf allen Kanälen von "großen Europäern" die Rede ist und diese seltsamerweise in aller Regel Westeuropäer sind, sei hier an Jan III. Sobieski erinnert, den Retter Wiens und Held der Schlacht am Kahlenberg am 12.09.1683 als Befehlshaber eines polnisch-deutschen Entsatzheeres.

Er und seine Truppen beendeten die Zweite Wiener Türkenbelagerung unter dem Befehl von Kara Mustafa Pascha, die am 12.07.1683 begann und fast gelungen wäre. Berühmt bleibt der Einsatz der Hussaria, einer schweren Kavallerie, die in jener Zeit den Kern der Kampftruppen der polnischen Armee bildete und die bei ihren Gegnern gefürchtet war. Nach der Schlacht am Kahlenberg ernannten die Türken Jan Sobieski zum "Löwen von Litauen".

Aber hier geht es um etwas anderes, nämlich darum, dass Jan Sobieski einer der ersten aufgeklärten Herrscher war und das Beste an der späten Renaissance resp. des frühen Barock repräsentierte. Er war weit über das seinerzeit im Hochadel übliche Maß hinaus gebildet, er hatte Geschichte, Literatur, Rhetorik und Dialektik studiert und sprach fließend französisch, deutsch, russisch, türkisch, griechisch und Latein. Er war mit Jan Hevelius, einem der bedeutendsten Astronomen jener Zeit, befreundet und korrespondierte mit Gottfried Leibniz, einem der bedeutendsten Mathematiker aller Zeiten. Das ist es, was an Jan Sobieski den Europäer ausmachte - das Leben nach den, in der Renaissance wiederentdeckten resp. -belebten Werten der griechischen und römischen Antike mit dem Blick auf Europa als gemeinsamen Kulturraum in seiner Heterogenität und gleichzeitig politischen Verbundenheit. Das ist es auch, was ihn von den "großen Europäern" wie Juncker, Schulz und Öttinger unterscheidet und das Resultat des Wirkens dieser "großen Europäer" liest sich dann so: "Mit 52 Prozent der Befragten gab nur eine knappe Mehrheit der Befragten an, die Demokratie als Staatsform zu bevorzugen. Europa verstehen viele junge Menschen demnach primär als Wirtschaftsraum und nicht als Wertegemeinschaft mit kulturellen Gemeinsamkeiten: Drei von vier Befragten sehen in Europa vor allem ein wirtschaftliches Bündnis." (FAZ, 04.05.2017)

Jan III. Sobieski, König von Polen, Großfürst von Litauen und König der Adelsrepublik, verstarb am 17. Juni 1696 im Wilanów-Palast, seiner Warschauer Residenz. Er ist ein polnischer Nationalheld und gilt bis heute als einer der angesehensten und beliebtesten Könige Polens. Die Adelsrepublik war übriges weitaus größer, als der Name das vermuten lässt, sie umfasste neben großen Teilen des heutigen Polens und Ltauen zudem Weißrussland, fast die gesamte Ukraine, Lettland, große Teile des heutigen Estland und das Preußen Königlichen Anteils (Prussia Occidentalis, das sind die Pommerellen, Kulm, Ermland, Marienburg).

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_III._Sobieski
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_am_Kahlenberg
https://de.wikipedia.org/wiki/Hussaria

Jan III. Sobieski, von unbekanntem Künstler "Jan III. Sobieski in der Schlacht von Wien" von Jerzy Siemiginowski-Eleuter (1686) "Die Schlacht von Wien" von Frans Geffels (17. Jh.) Rüstungen der Hussaria, aufgenommen im Muzeum Oreza Polskiego (Museum polnischer Waffen) in Kolberg